Kurzer Ausflug in die Hauptstadt

20. – 22. Dezember: Phnom Penh / Kambodscha

Die Fahrt zur Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, vergeht wie im Flug. Der Reiseanbieter holt uns vom Hotel ab, bringt uns zum Busbahnhof und versorgt uns mit Wasser und Snacks für die Reise. Kim und Kat sind begeistert, gratis Essen! Phnom Penh begrüßt uns mit der besten Logik seit langem. Ein Tuktuk Fahrer buhlt um unsere Aufmerksamkeit am Busbahnhof, möchte uns für 10 USD (Supersonder-Angebot) in die Innenstadt fahren. Wir lachen, hacken uns ins WLAN ein und suchen uns den Uber-typischen-Preis raus: 2 Dollar. Der Tuktukfahrer lässt nicht locker, wirft uns immer wieder niedrigere Preise zu. Wir nennen ihn 2 Dollar als Maximum-Preis, er überlegt kurz und sagt erleuchtet: okay, 4 Dollar! 1 Dollar you (zeigt auf Kat), 1 Dollar you (zeigt auf Alex) and you … (zeigt auf Kim) … well, 2 Dollar! Warum Kim 2 Dollar wert ist, wissen wir bis heute nicht. P.S.: Wir haben uns dann für Uber entschieden. In Phnom Penh freuen wir uns über eine weitere sehr coole Unterkunft, werfen unseren Krams ab und erkunden unsere Gegend. Zwei Häuserblöcke weiter landen wir im absoluten Gentrifizierungsviertel. Überall weiße Männer in weißen Hemden und weißen SUVs, sowie sämtliche US Fast Food Ketten in dem Viertel, die man sich vorstellen kann. Wir zocken eine Runde Tischfußball bei einem Donut Laden und laufen dann mit leeren Magen zurück ins Hotel. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, denn unsere Unterkunft serviert am nächsten Morgen ein absolutes Luxus Frühstücksbuffet. Wir schlagen uns die Bäuche mit frischem Obst, Cappuccino und Rührei voll. Es sei angemerkt, dass wir sowas sonst nie hatten und unsere Augen größer waren als unser Bauch. Heute trennen sich das erste Mal unsere Wege. Die Köhntopps wollen sich das Genozid Museum und die Killing Fields anschauen, um mehr über die Geschichte des Landes zu lernen. Alex lernt das Land lieber auf eigene Faust und zu Fuß kennen. Wir sagen also Ciao und bis später!

Wer sich bis dato nicht mit der Geschichte Kambodschas auseinandergesetzt hat, dem möchten wir kurz den Wikipedia Artikel oder auch den Netflix Film „Der weite Weg der Hoffnung“ ans Herz legen. Das Land ist immer noch dabei, den größten Massenmord am eigenen Land aufzuarbeiten und nach unserem Besuch in den beiden Museen hat sich unser Blick auf Land und Leute noch einmal sensibilisiert. Was bleibt ist ein dumpfes Gefühl im Magen und das dringende Bedürfnis, auch in Deutschland noch öfter und lauter den Mund aufzumachen, wenn Minderheiten Opfer von Diskriminierung werden.

Alex hilft uns nach unserem Besuch wieder gute Laune zu bekommen. Er erzählt vom Spieleparadies in einer riesen Mall und von einem Ausflug auf das Dach eines unfertigen Hochhauses, auf das ihn die Bauarbeiter ohne Wimpernzucken ließen. Gemeinsam drehen wir noch eine Runde durch die Stadt, essen die erste Pizza nach 2 Monaten Rumreisen, laufen über einen „Made in China“ Nachtmarkt und futtern frisches Kokoseis. Den Rest des Abends planen wir unsere Weiterfahrt ins Paradies. Es soll über Weihnachten auf die Insel Kho Rong Samloem gehen. Da sich scheinbar ganz Kambodscha zur Weihnachtszeit in den Süden bewegt, bleibt uns nur noch die Option mit einer Busgesellschaft zu fahren, die erst vor Kurzem mehrere Unfälle u.a. mit Kühen auf der Straße hatte. Wir fügen uns unserem Schicksal und buchen den Bus sowie die Anschlussfähre mit genügend Zeitpuffer.

Die Busfahrt Richtung Küste verläuft, wie sie laut Google-Bewertungen verlaufen muss. Ok, wir überfahren weder Kühe noch Menschen und verursachen auch sonst keinen Unfall. Allerdings stoppen wir circa alle 3 Kilometer, weil Reifen, Motor oder Kofferraumtür nicht mehr wollen. Immer wieder wird gewerkelt, geschraubt, repariert. Die ersten Mitreisenden werden ungeduldig, buchen ihre Fähre um oder versuchen sonst irgendwie, Infos vom Fahrer zu bekommen. Der schweigt besinnt. Mit 3 Stunden Verspätung kommen wir in Sihanoukville an, perfekt für unseren smarten Zeitplan. Unsere Fähre soll erst in einer Stunde fahren. Kurz zu Sihanoukville: dieser Küstenort sieht aus, als wäre er ein Kriegsgebiet. Die Straßen wurden offengelegt (nirgends Asphalt), überall sind Löcher, Staub, alle Häuser im Auf- oder Abbau. Keines davon wirklich fertig. Es ist total strange. Die Chinesen haben diesen Ort vor einiger Zeit komplett aufgekauft und wollen hier eine Megastadt errichten. Das bedeutet im ersten Schritt: alles abreißen. Und so sieht es hier wirklich aus. Wir sind froh, so schnell wie möglich auf unsere Fähre zu springen und endlich auf Kho Rong Samloem anzukommen. Die Insel erreichen wir erst im Dunkeln, aber wir wissen schon jetzt: hier ist es richtig richtig schön!

Da es uns nicht richtig schien, Fotos auf den Gedenkplätzen zu machen, haben wir aus Phnom Penh nur eine Auswahl an Selfies von Alex‘ Solo-Tag. Viel Spaß damit! 😉
Ciao Phnom Penh, du warst nicht besonders schön und wir würden nicht noch mal vorbei schauen – aber du hast uns viel über die Geschichte deines Landes gelehrt.

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